seydnaya

24/11/2007 syrien


... rund 30 km ausserhalb von damaskus liegt seydnaya, ein grösseres dorf und wichtiger pilgerort für viele christen aus ganz syrien... das dorf ist auf einem hügel gebaut und umgeben von olıvenhainen und weintrauben... von weitem ragt das kloster zuoberst auf dem hügel gebnaut empor... das kloster wurde 547 n. chr. gebaut und ist der heiligen mutter gottes maria, die holde jungfrau, gewidmet... die in in syriak, einer alten sprache seyda naya, übersetzt "our lady" genannt wird...


... syriak, die syrische sprache, ist ein mittelostaramaischer dialekt und gehört zu den semitischen sprachen... sie gilt als eine weiterentwicklung des aramaischen die sprache des jesus von nazareth... sie ist nicht die landessprache syriens, dies ist das arabische, sondern eine minderheitensprache der christlichen bevölkerung in der region zwischen dem nördlichen syrien und irak, sowie der südöstlichen türkei... in der türkei sprechen schaetzungsweise nur noch 15'000 menschen diese alte sprache, die eine eigene schrift besitzt... gesamthaft sprechen rund eine million weltweit diese sprache, die zugleich die liturgiesprache der östlichen kirchen, wie die Syrisch-Orthodoxe Kirche, Syrisch-Katholische Kirche, Syrisch-Maronitische Kirche, Chaldäische Kirche, Assyrische Kirche des Ostens und die alte apostolische Kirche des Ostens.

... im kloster befindet sich eine ikone der heiligen maria, die vom heiligen lukas gemalt worden sein soll... auch hier leben noch einige nonnen und jeweils am freitag kommen besonders viele besucher und pilger aller christlicher konfessionen syriens...

mal'ula

23/11/2007 syrien


... mal'ula ist eine kleines staedtchen nicht weit von damaskus... und liegt in den bergen auf rund 1500 m nahe der grenze zum libanon... das dorf ist umgeben von imposanten felsformationen... es war ein klarer tag, wundervoll, aber kalt... mehr als die haelfte der bevölkerung des schmucken staedtchens sind christen... erstaunlich viele kirchtürme sind zwischen den daechern der hauser zu sehen... minarette nur zwei und etwas ausserhalb des zentrums... die leute hier sprechen aramaisch, eine alte sprache, die auch jesus gesprochen haben soll... mal2ula bedeutet in aramaisch soviel wie "eingang"... die aramaische sprache ist mit dem hebraischen eng verwandt und eine schwestersprache des arabischen... die aeltesten zeugnisse dieser sprache stammen aus dem 9.-10. jh. v. chr. ... zurzeıt jesu war aramaisch eine weitverbreitete sprache und in den evangelien (neuen testament in griechisch) sind zahlreiche aramaische wendungen zu finden... auch in den schriftrollen, die in qumran gefunden wurden, die ürigens ein ganz anderes licht auf das leben und wirken jesu christi werfen, das von der katholischen kirche natürlich nicht gerne gesehn wird...



...neben den vielen kirchen sind die beiden alten klöster (das st. sergıus und das von der hl. takla) der hauptgrund, warum viele syrische christen das staedtchen besonders am freitag (der heilige tag der muslime und deshalb auch der sonntag für die christen, den in syrien sind jeweils am freitag die mehrheit der geschaefte geschlossen... selbst millionenstaedte wie haleb oder damaskus wirken dann wie ausgestorben... wo all die leute sind?... die meisten wohl zuhause vor dem fernseher... manche in der moschee und einige, besonders christen... eben hier in mallula... sie besuchen das kloster der heiligen takla, die oberhalb des heutigen staedtchens in einer höhle lebte und eines tages vor muslimischen eroberern flüchten musste, da sie nicht muslima war... der legende nach soll sich durch die kraft ihres gebets... das ende des tales, indem das staedtchen liegt, wie ein wunder geöffnet haben... heute schlengelt sich das tal mur wenige meter breit und rund 60 meter hoch durch eine schlucht hinauf zum zweiten kloster... im kloster der heiligen takla leben heute noch rund 15 nonnen, die sich um 22 waisenmaedchen kümmern... die höhle in der die hl. takla gelebt haben soll, wurde sie begraben und ist heute der ort wo glaubige beten und besonders kranke um genesung bitten... das grab im innern der höhle, die mit unzaehligen bildern von heiligen(ikonen) bestückt ist... wurde mit kleinen silbernen und bronzenen beinen und haenden verziehrt... als dank für genesung ...

damaskus

20/11/2007 syria

nach den wundervollen tagen im kloster, spaziergaengen im biblischen wüstengebirge, interessanten gespraechen, küchenarbeiten und bibellesen... fand ich mich im wilden getümmel der metropole und hauptstadt syriens wieder... wuau welch ein schock... viel hektischer als haleb und viel mehr menschen... erster eindruck allha allha... doch es wurde besser in as-sham, wie sie in arabisch auch genannt wird, damas, einer der aeltesten kontinuierlich bewohntenstaedte und kulturelles und religiöses zentrum der arabischen welt... die hektische und stinkende stadt liegt nahe der grenze zum libanon... und besitzt eine wundervolle altstadt, in der ich ein paar tage lebte... bei abud zuhause, einem jungen mann ursprünglich aus dem libanon, lebte aber seit jahren in dubai... einer der interessanten menschen den ich in marmusa kennelernte und mich zu sich eingeladen hat... er wohnt in einem alten haus mit innenhof mitten in der altstadt mit sicht von seinem dach auf das minaret der wundervollen ummayaden-moschee (siehe bild) ... er mietet ein zimmer bei einer alten ehelosen dame...im selben haus wohnen zudem zwei familien, jeweils einem zimmer, das kleiner ist als das seinige...


...zurück zu abud (auf dem bild links neben einem mobilen "roasted cacaouettes"-verkaufer) ... interessanter kerl... freidenker... hat seinen job als shopmanager in dubai (guter lohn, mehrer tausend dollar im monat) aufgegeben und reist seit einem jahr in muslimischen laendern herum um mehr über religion zu erfahren... und... konvertierte... er ist jetzt christ... aber betet bei den muslimen in der moschee und besuchte auch synagogen... und sein projekt: in sieben jahren will er ein buch beendet haben übder den gemeinsamen kern der religionen... nach der türkei, ıran, pakistan und indien plant er seine naechste reise nach england... insha'allah... netter mensch... will alles für einen beorgen... " i will check"... aber meistens schaut dann nicht viel raus... aber gut gemeint und ein riesen herz... ... abud und ich trafen uns haufig mit sara aus kanada,die freundin von mark aus den staaten, den ich ebenfalls in marmusa kennlernte, und dort in der wüste gemeinsam nach den geheimen atomanlagen suchten, mark wollte sie unbedingt finden und die bilder der new york times verkaufen... doch all das wandern war umsonst... ausser einem schaefer der uns zum arak (starker alk) einlud haben wir nichts gefunden... jedenfalls wir haben es uns gut gehen lassen in damaskus....hamam (dampfbad mit sauna und massage: waren oft im nur-ed-din, das seit dem 10. jh. kontinuierlich als badeort genutzt wurde) ... shisha und viel gutes essen... abud war ein hervoragender koch und einmal haben wir sogar ein indisches restaurant gefunden...


... die altstadt von damaskus ist seit 1979 unesco weltkulturerbe und die engen gassen und bazare (souks) sind wundervoll und besonders die grosse umayadenmoschee, die ich mehrmals... sie gilt als eine der aeltesten moscheen überhaupt... siewurde 705 n. chr. vom umayaden khalifen al-walid auf den mauern einer christlichen kirche errichtet. die mosche misst 157 auf 97 m und der baustil einer basilika erinnert stark an christliche kirchen... im innern des gebetsraumes befindet sich ein schrein, indem sich das haupt von johannes dem taufer befinden soll... er wird von christen wie von muslimen verehrt... wundervoll sind besonders die mosaike in den arkadengaengen, die von byzantinischen baumeistern gefertigt wurden, und die das paradies darstellen sollen... zudem berherbergt die moschee einen weiteren schrein in dem der kopf husseins (das grabmal befindet sich in der irakischen stadt kerbala, doch der kopf soll für einige zeit nach damaskus gebracht worden sein oder immer noch hier sein... unterschiedliche angaben...), dem enkel mohammeds und sohn alis, dem ersten nachfolger des propheten... deshalb ist die moschee ein wichtiger pilgerort für alle shiitischen muslime... sie kommen aus aller welt, um hier der verlorenen schlacht um das khalifat (10. oktober 680) in kerbala zu gedenken... deshalb sieht man immer wieder weinende alte frauen und maenner, die der verlorenen schlacht gedenken... aus trauer... so wurde mir berichtet... neben der moschee befindet sich der schrein von sultan saladin, dem helden der 1187 jerusalem erobert haben soll... und auch sonst hat die stadt viel zu bieten...

deir marmusa

12/11/2007

...nach ein paar tagen in haleb... shisha rauchen... gut essen und zum erstenmal laengere zeit "walliser titsch zellu mit de zürcher"... bin ich nun in die wüste gefahren um das kloster marmusa zu finden... das alte syrische kloster des heiligen moses aus ethiopien, deir marmusa el- habashi, liegt auf 1320 m.ü.m. in einem tal des wüstengebirges al-jabal al sharqi, einer biblischen landschaft, nahe der kleinstadt nebek. das fundament der kirche des klosters diente wahrscheinlich ein römischer wachturm aus dem 2. jh., der an der handelsroute ducrh die wüste (früher einer der wege der seidenstrasse) lag.

der heilige moses als sohn eines ethiopischen königs geboren, verweigerte er die nachfolge seines vater und suchte stattdessen das könıgreich gottes... er reiste nach egypten und ins heilige land... spater lebte er als einsiedler in syrien... zuletzt in den höhlen des tales, wo heute das kloster steht... dort wurde er von byzantinischen soldaten ermordet... der überlieferung zurfolge soll die familie seinen körper begraben haben... nur der daumen seiner rechten hand soll sich wie ein wunder von seinem körper gelöst haben und wurde spater in einer höhle aufbewahrt und als reliquium verehrt... noch heute soll sich der daumen in der kirche von nabek befinden... es wird vermutet, das der hl. moses im 6. jh. gelebt haben soll und der syrischen kirche in atiochien angehört haben soll...die klösterliche kirche, in der heute noch jeden tag gebetet und eucharistie gefeiert wird, wurde nach arabischen inschriften im innern im islamischen jahr 450, also 1058 n.chr. erbaut... viele der freskos stammen aus dem 11. und 12. jh. und sind zum teil noch sehr gut erhalten... im 15. jh. wurde das kloster vergrössert. 1831 verliess der letzte mönch das heiligtum... seither gehörte die kirche allen und jeder liess es langsam verfallen... bis es padre paolo dal'oglio (geb. 1954 in rom) als junger jesuite, der in damaskus arabisch lernte und den koran studierte, das kloster 1982 erstmals besuchte und in den nachfolgenden jahren nach harten kaempfen mit dem bischof der syrisch-katholischen diozöse von homs, der das kloster heute gehört, und dem vatikan in rom un seinen vorgesetzten des jesuitenordens, sowie einigen militanten muslimischen bürgern von nabek, hat er es geschafft das kloster mit finazieller hilfe aus italien und der EU wieder aufzubauen und die kirche und ihre freskos zu restaurieren...
im jahre 1991 wurde die klösterliche gemeinde in der tradition der syrisch katholischen kirche geründet das klösterliche leben in mitten der syrischen wüste nahm wieder seinen lauf... heute leben rund 10 menschen als ordinierte im kloster, darunter 2 nonnen und ein schweizer mönch, der zurzeit in rom theologie studiert...
die klösterliche gemeinde verfolgt drei ziele: 1) leben ın beziehung zu gott...spirituelle seite ... 2) beziehung zur materiellen welt...d.h. alltaegliche gemeinsame arbeiten... und 3) gastfreundschaft und dıalog mit dem islam... sehr interessant... (deshalb auch problememiı vatikan usw...)

seit einiger zeit kommen auch immer mehr jugendliche aus der umgebung, besonders aus damaskus, die nicht unbedingtaus religiös-spirituelle motiven nach marmusa kommen... natürlich gibt es auch junge christen und besonders glaubige familien, die hier am wochenende zu besuch kommen... oder ein paar tage bleiben, sich am gemschaftlichen leben beteiligen und beten... aber ich habe eine erstaunliche zahl junger maenner getroffen, die sich als atheistenbezeichnen und das kloster der ruhe wegen aufsuchen... natürlich alles gratis und immer wieder gibts besuch von netten europaerinnen, die dann manchmal sogar für mehrere monate bleiben um gott in der meditation zu begegnen, wie die 28 jahrige orphelie aus belgien, die bei ihrem besuch in lourdes die eingebung erhielt nach marmusa zu pilgern und nun hier für 2 monate lebt... oder raphael der in frabkreich als kind atheistischer eltern aufwuchs und sich nun hier in marmusa zum christen taufen liess... mit 26 jahren... neben den spirituell- suchenden und den backpackern aus aller welt, den jungen syrischen freidenkern aus damskus traf ich sehr interessante menschen hier ... homosexuelle trendsetters die in der wüste shisha rauchten und musik hörten... jacob aus qamishli (nord syrien), ein freundlicher und strengglaubiger junger mann (34), der mich liebte, da ich blond und blauaugig war, ein echter arier in seinen augen, denn er verehrte hitler, sein bild auf dem handy und das hakenkreuz umden hals... unglaubliche mischung... und viele mehr...

jeden tag morgens um 7 versammeln sich die mönche und nonnen zum gemeinsamen gebet und lesen der heiligen texte... dann gibts frühstück... 15.30 mıttagessen... und 19.00 stille meditation und anschliessend messe...dann um 22.00 abendbrot... jeden tag... ich habs genossen rund 9 tage lang...war ein guter ort um sich zu erholen und meinen durchfall in griff zu bekommen... und die messe war schön... erstmals in meinem leben erhielt ich den kelch mit wein... hab mich immer gefragt warum der priester den wein, das blut jesu christi alleine trinkt... hier ist es nicht so... vielmehr wird hier gemeinsam eucharistie gefeiert immer wieder fragt der priester die glaubigen oder sie fragen ihn... werfen gedanken in die runde... und am sonntag wurde das vaterunser im kreis alle haendchen haltend gebetet... naja mir hats gefallen endlich wieder einmal zeit zum sitzen in der stille ...

mehr infos für interessierte und alle die gott in der wüste syriens finden wollen siehe www.marmusa.com

haleb

o7/11/2007 syria

...nach antakya bin ich dann richtumg süden, in die nur vier stunden entfernte stadt haleb in syrien gefahren, wo ich nun seit ein paar tagen verweile und wahrscheinlich nicht mehr so leicht wegkommen werde... haleb, besser bekannt als aleppo, hat seinen namen vom arabischen wort halab = "melken oder auch milch"... auf dem hügel zu dessen füssen die stadt liegt und auf welchem heute die überreste einer zitadelle aus der zeit der mamelukkensultane steht, soll der legende nach abraham (ibrahim) , der stammvater der araber und vater der drei grossen monotheistischen religionen, der "ur-monotheist" schlecht hin, seine schafe geweidet haben... einer anderen legende zurfolge soll er die gemolkene milch an die armen verteilt haben... naja wers glaubt wird selig... heisst es so schön... und schön sind auch die legenden, die man immer wieder hört...

..die stadt gefaellt mir jedenfalls hervorragend.. mit ihren sogenannten souks den übrdachten bazargassen, in denen man sich wie einem labyrinth verirren kann... esel sind zwar nur noch selten anzutreffen dennoch hat die altstadt immer noch einen mitellalterlich-orientalischen flair... stundenlang schlenderte ich in den letzten tagen durch die gassen und strassen der altstadt rund um die zitadelle... wunderschön ist auch die ummayaden-moschee aus dem 7/8. jahrhundert, die taeglich von vielen pilgern aus der ganzen arabischen welt besucht wird... der überlieferung nach soll sich in der moschee das grabmal von zacharias, dem vater von johannes dem taufer aus der bibel, befinden ... taeglich beten dutzende muslimische pilger an seinem grab...

...was ich aus adana weiter oben berichtete, hat sich hier... naja nicht gerade verstaerkt, aber zumindest taeglich wiederholt... immer wieder wird man von menschen angehalten... zum shay, kardamonkaffee oder zum shisha rauchen eingeladen... "sit down"... jung und alt heissen einem willkommen und immer wird man von jungen, die ihre englisch kenntnisse unter beweis stellen wollen... meist bleibt es aber sehr rudimentaer... zum small talk eingeladen... gerade vorhin hat mir ein junger typ die hand geschüttelt und waehrend er meine hand hielt hat er verzweifelt ein wort gesucht... hm... aeh... bis ihm plötzlich ein laecheln ins gesicht viel und strahlend sagte: "welcome"... die leute sind sehr... sehr freundlich... nach ein paar tagen sogar fast schon zu... naja ... darf man fast nicht sagen... aber ... auch ermüdend...

...syrien ist anders als die türkei in vieler hinsicht... besonders das essen ist würziger (falafel...) und auch in den gassen und im bazar berauschen einem besondere düfte jeglicher art... weniger handys... mehr tschadors und kopftücher... statt attatürks haengen überall bilder von den al-assads der baath-partei, die syrien regieren... meist sind vater und sohn gemeinsam abgebildet... hafiz al-assad (bild oben rechter kopf), der sich 1971 mit 99.2% der stimmen (ohne gegenkandidaten) zum staatspraesidenten waehlen liess, konnte er trotz anschlaegen der militanten muslimbrüder und einer starken islamischen opposition, die macht bis zu seinem tode behalten... nach seinem tod im juni 2000, wurde sein zweitjüngster sohn, bashar al-assad (bild links), da der aeltere bei einem autounfall ums leben kam, nach einer grundsatzaenderung bezüglich des mindestalters eines praesidenten, mit einer mehrheit von 97.29% zum naechsten praesidenten gewaehlt... er gilt in vieler hinsicht als liberaler als sein vater... (...) ... abgesehen vom politischen (naja... wohl aus dem ganze mittleren osten nicht gerade viel erfreuliches zu berichten...) .... ist syrien bedeutend günstiger als die türkei ... ein tee 10 und ein falafel 15 syrische lira (1euro=72 syrL) und haufiger sieht man die frauen in schwarze tschadors gehüll ... und es geschieht das man von ihnen sogar angesprochen wird, "de schwarzu gschpaenschtjini"... als ich ankam bewegte sich eine von schuh bis kopf in schwarz gehüllte frau auf mich zu, und fragte: " you need any help, sir?" und "welcome to haleb" ... ja haleb ist toll und ich hab ein gutes hotel gefunden und ein paar aus zürich getroffen, das mit dem velo nach afrika unterwegs ist und zwei schweden rockers mit bloden langen haaren, die mit einem von kindern bunt bemalten mercedes und viel bier via iran nach nepal wollen... viel glück... bei den mullahs... jaja lustige leute trifft man hier ...

... ansonsten ist die zweitgrösste stadt syriens (2.1 mio) gepraegt von riesen gegensaetzen, wie wohl jede stadt... besonders die christlichen quartiere (in aleppo leben viele christen; gemessen an der gesamtpopulation syriens machen die christen rund 10-15% aus... 75% sind muslime (mehrheitlich sunnis, daneben gibt es nusairer (alawiten), zu denen die familie al-assads gehört, shiitische ismaeliten (1%) und wenige imamiten, zudem sind 2% drusen) in der neustadt unterscheiden sich enorm von der altstadt... wo man sich in manchen gassen wie einige jahrzehnte zurückversetzt fühlt... tausend und eine nacht ist zwar nur mit grosser phantasie zu finden, denoch begegnen einem noch haendler die ihre bepackten esel führen oder kutschen... aber eher doch selten... in der neustadt hingegen sieht man handys (zwar weitaus weniger als in der türkei...) und frauen bekleidet wie .. naja wie soll man das beschrieben... ihr wisst schon, eben nicht wie tausemd und eine nacht... sie tragen jeans, kein kopftuch... rauchen zigis oder treffen sich mit maennern zum nargile rauchen... oder sitzen in den cafes, wo es espresso gibt usw... wohl eher ein christliches phaenomen... nicht sicher zwar, aber es ist anzunehmen, dass muslimische junge damen es weitaus schwieriger haben, jeans oder minijupe zu tragen und sich in den cafes zum nargile rauchen mit jungs zu treffen... ethnologisch natürlich höchst interessant... haleb ist eine multikulturelle stadt, neben mehrheitlich arabern leben h viele kurden. armenier und türken

... das politische fazit für diesmal nur soviel... atomwaffen oder nuklearanlagen hab ich bisher noch keine gesehen ... sind wohl auch eher in der wueste oder eben von den israelis verbommt worden am 6. sept... gehe naechste woche die syrische wüste inspizieren und schaue mich um...
... ah und zudem sind beim glocktower in haleb, mitten in der stadt, vor zwei wochen 5 junge maenner öffentlich hingerichtet worden, weil sie wegen mordes und diebstahl vom syrischen militaergericht zum tode verurteilt worden waren... naja die todesstrafe ist in syrien leider noch nicht abgeschafft worden... das land hat viele schattenseiten zu denen ich lieber schweige, da immer noch viele hier denken sie werden überwacht... mr. bush hab ich leider nicht getroffen als er in der türkei war und über die irakisch-türkischen grenze schweigen die medien... da keine... zumindest offiziell vor ort sind...

adana - antakya

2/11/2207
...nach den wanderungen in den wunderschönen taelern und höhlen von kapadokien, bin ich weiter nach adana, eine typisch türkische stadt mit rund 2 mio einwohnern, gefahren... die leute dort waren, naja ... wie soll man das beschreiben... viele kennen es ja von ihren eigenen reisen... wenn man durch die strassen schlendert mit einem grossen rucksack und nicht so genau weiss wohin man eigentlich will... und die leute von allen seiten dich anschauen und dir zuwinken... zulaecheln... dich mit einem freundlichen "welcome in adana" willkommen heissen und besonders junge leute dich mit gebrochenem englisch fragen woher du kommst... dir die hand schütteln usw... das geschieht hier ja taeglich, aber in adana war es dann gar haufig... ja unglaublich... sogar fast schon... naja...
...jedenfalls konnte ich bei zwei netten studentinnen übernachten, couchsurfing sei dank... und einen weiteren einblick in das türkische studentendasein gewinnen... viel tv und immer online skype mit freunden und familie...

...nach andana gings weiter nach antakya, dem ehemaligen antiochien am orontes, zumindest für die ein begriff, die die bibel lesen oder schon mal von ihr gehört haben... antiochien wurde um 307 v. chr. von antigonos 1. gegründet und wurde zur hauptstadt des seleukiden reiches und spaeter zu einer der bedeutensten weltstaedte der antike... sie zaehlte zudem zu 5 wichtigsten staedten des röm. reiches bis sie 1517 von den osmanen eingenommen wurde... aus den alten zeiten ist heute wegen mehreren erdbeben nicht mehr viel zu sehen... heute viel laerm und gestank... einzig ein paar kirchen bilden oasen der stille und die beruehmte st.petrus grotte ( siehe bild) oberhalb der stadt... hier sollen sich der überlieferung nach, die erste christliche gemeinde um paulus, barnabas und petrus versammelt haben. zudem soll der apostel paulus in der synagoge von antiochien gepredigt haben und die jünger christi sollen sich hier erstmalig als "christen" (christianoi, für die die bibel nun gefunden haben oder sich eine besorgt haben, finden den beweis in der apostelgeschichte apg 11,26 EU...) bezeichnet haben... also hier sind die wurzeln des christlichen europas... für alle dies nicht wissen... in der türkei!
...naja jedenfalls habe ich auch hier bei kurdischen studenten ahmet, cousin von eylem, und sardın übernachten dürfen... ein riesen geschenk wenn man jemanden kennt aus der türkei, dann hat man sofort kontakte zu vielen menschen im ganzen land... einer tante hier... einem cousin dort und... und... die leute waren sehr nett, wie immer, und an der uni wurde ich belagert und ausgefragt... zum tawla (back gammon) herausgefordert und sogar gewonnen...

kappadokia

oktober 2007


...nach konya, bin ich nun dort angelangt wo wohl alle, die erstenmals in der türkei sind landen, in kapadokien. Die gegend liegt in zentralanatolien und ist berühmt wegen der einzigartigen tuffsteinformationen, die sich im verlaufe von millionen von jahren durch vulkanausbrüche und waserlaufe unteranderem zu den sogenannten feenkamine ("fairy chinmeys") formten... hab schon viele bilder gesehen... aber wenn man dann hier ist und über die taeler und canyons blickt ist man überwaeltigt... auf jedenfall eine reise wert... aber nicht im sommer, denn dann muss es hier voll sein von touristen... jetzt ist out of season... sehr angenehm... wenig leute aber um fünf uhr, kurz nach dem gebetsruf des muezzin, schon finstere nacht... hab die letzten paar tage die gegend bewandert mit 5 franzosen, die ich mitten in einem canyon getroffen hatte... les français, die jonglierend, musizierend und kiffend ebenfalls auf dem weg nach indien sind. alles per anhalter und einer von ihnen, jean-philippe hat in frankreich alles was er besass verschenkt und ist ohne einen rappen bzw. euro losgezogen und hats bis nach zentralanatolien gschafft... er versucht dann nach iran zu gelangen...doch ohne geld ein visum zu bekommen wird wohl schwer sein... bin gespannt...(waren übrigens nicht die ersten reisenden, die ich traf, die das gleiche ziel haben... in istanbul traf ich ein paar aus belgien, das den weg nach indien mit dem fahrrad bewaeltigen will und gerade heute traf ich ein paar aus holland das auf dem heimweg bzw. landweg von indonesien nach holland ist...)... jedenfalls gute menschen, les welsh...c'etait tres sympa avec vous merci...
so habe ich bei ihnen in einer der zahlreichen höhlenwohnungen, die es hier überall gibt, gewohnt... die ersten spuren menschlicher existenz hier in kapadokien sollen mehr als 6000 jahre alt sein... die spuren aus der neolithischen zeit sollen angeblich zu den aeltesten der menschheit gehören... 2000 v.chr. lebten dann die hethiter hier und spaeter wurde das an der seidenstrasse liegende gebiet durch den apostel paulus "christianisiert" und wurde eines der wichtigsten frühchristlichen zentren... bisher wurden über 3000 felskirchen entdeckt, die zwischen dem 5.-15. jh. in höhlen eingerichtet oder in den fels gehauen wurden... die frühen christen die hier lebten errichteten zudem ganze unterirdische staedte, die bis zu 10 stockwerke ief in die erde gegraben wurden... derinkuyu ist die grösste unter ihnen, die tunnels führen tief in die erde und ihr gewebe beinhaltet vorratsraume, weinpressen, sakralraume und ein augezeichnetes belüftungssstem...mehrere tausend menschen konnten hier mehrere monate überleben...sie suchten schutz tief in der erde vor den einfallenden maechten, die ihre vorraete und knaben (knabenlese) stehlen wollten...
nachdem ich zusammen mit den copains welsch die unterirdischen staedte und wilden taeler, in denen köstliche aepfel und trauben in mengen wachsen und die blaetter der baume gelb und rot verfaerbt sind, erkundete, werde ich nun weiter richtung syrien ziehen... mal sehen ob sich in der wüste syriens spuren einer geheimen atomanlage befinden, wie die israelis behaupten... kürzlich haben sie sich bei den türken wegen der missachtung des türkischen luftraums am 6.september entschuldigt... wohl indirekt ein zugestaendnis syrien an jenem tag bombardiert zu haben... abgesehen davon trennen sich die wege der franzosen und meine, sie ziehen rasant per anhalter richtung georgien... schade... vielleicht trifft man sich ja wieder unterwegs... die türkei ist zwar gross doch wie jean-philippe sagte: le monde est petit...zur lage der nation kann ich nicht mehr sagen als die internationale presse und auch die weiss nichts genaues was in den provinzen hakkari und şirnak, an der grenze zu irak sich genau abspielt... immer wieder kursieren meldungen von getöteten terroristen und werden spaeter wieder dementiert... im moment ist wohl kein journalist in der der region, er würde höchstwahrscheinlich auch nicht geduldet von den türkischen streitkraeften... über die 8 gefangenen türkischen soldaten in den haenden der pkk wird weiterhin geschwiegen... aus angst zuviel propaganda könne sogar einen bürgerkrieg zwischen türken und kurden auslösen... dies ist der worse case und wahrscheinlich eher unrealitisch... cnn berichtete kürzlich, dass sich taeglich hunderte junger türken freiwillig melden um in den dienst der nation zu treten um gegen den terrorismus zu kaempfen... in kapadokien hingegen ist es friedlich... die aepfel schmecken süss... die luft ist rein und die vögel zwitschern... hart zu glauben, in einem land zu sein, das sich in den augen vieler hier im "krieg" befindet...

a par la politique, die türkei ist ein riesiges und wunderschönes land mit grosser gastfreundschaft und vielen sehr freundlichen und hilfsbereiten menschen...