lahore

11/1/2008 punjab

seit rund zwei wochen bin ich nun in pakistan im "land der reinen" wie die islamische republik auf persisch und urdu heisst (pak: "rein im geist" und stan: "land") ... rund 175 mio menschen sollen hier leben, davon rund 34% in staedten ... die durchschnittliche lebenserwartung betraegt 63,4 jahre (2006) und offiziell bringt eine frau durchschnittlich 4 kinder zur welt ... auch pakistan ist wie die meisten staaten hier in asien ein vielvoelkerstaat, die mehrheit sind indoarische punjabis, die ueber 40% der bevoelkerung stellen, gefolgt von den sindhi (14%) und den saraiki (10%) ... auf rund 85 werden die muhajir geschaetzt, die nachfahren nordindischer muslime, die bei der teilung von british-india im jahr 1947 nach pakistan gefluechtet sind ... damals sollen mehr als 10 mio menschen von einem ins andere land gefluechtet sein ... mehr als 20 % der bevoelkerung sind iranische volksgruppen wie die pashtunen oder die belutschen, die in den grenzregionen zu afghanistan bzw in belutshistan leben und in stammesverbaende organisiert sind (siehe eintrag qoitta) ... daneben gibt es eine vielzahl kleinerer gruppen wie die brahui (draviden), asad (darden), balti und hunzakuts im noedrlichen karakorumgebiet usw ... mehr als 50 sprachen werden im land gesprochen und 96,3% sind muslime, die uberwiegende mehrheit sunniten ... daneben gibt es eine kleine minderheit shiiten, die auf 10 bis 15% geschaetzt werden ... bei meinem besuch in lahore nahm gerade der monat moharram, der erste monat im muslimischen kalender seinen anfanag .. als moharram wird auch die zehntaegige trauerzeremonien oder auf deutsch auch als passionsspiele bezeichnet begangen, in der die shiiten ihre trauer ueber die verloreneschlacht von kerbala wo der dritte imam al-hussain ibn'ali getoetet wurde, und die shiiten endgueltig das khalifat an die sunniten verloren hatten ... moharram gilt als wichtigstes ritual bei den shiiten und wird besonders im irak und im iran "gefeiert" bzw. getrauert... die feierlichkeiten beginnen am ersten tag des monats und steigern sich bis zum 10. tag, dem todestag hussains, ashura genannt ... ueber 10 tage versammeln sich glaubige shiiten in den strassen von lahore, besonders junge maenner und schlagen sich stundenlang die haende auf die nackte haut ihrer brust, bis am zehnten tag dann messer an ketten befestigt werden und sich die maenner, teils in trance blutig geisseln ... die selbstgeisselungen gelten zum einen als ausdruck des aktiven mitleidens und symbolisieren die bereitschaft zum maertyrium, zum anderen wird auch geglaubt daurch ein teil der individuellen suenden und der kollektiven schuld der schia-gemeinschaft abgebuesst werden ... 40 tage wird nun den toten gedacht um im anschluss der trauaerzeit das gedenkfest arba'in zufeiern ... gegen 23.oo uhr verliess ich das hotelzimmer um mich in die altstadt zu begeben um den oeffentlichen selbstgeisselungen in den strassen beizuwohnen ... es war der 7. tag des moharram ... im vorfeld wurde ich gewarnt, bsonders von sunniten, es sei gefaehrlich dort hin zu gehen, in den letzten jahren sei es auch immer wieder zu ausschreitungen zwischen sunniten und shiiten gekommen ... ich entschloss mich trotzdem dahin zu fahren ... die strassen waren mit lampenreihen speziell fuer die prozession geschmueckt entlang derer sich der umzug bewegen sollte ... die strassen waren voller leute besonders viele maenner, die mehrheit ganz junge was auch die statistik der gesammtbevoelkerung bestaetigt, rund 395 sind unter 15 jahre alt ... an jeder strasseecke wurde mir milch und ein salziges getraenk aus wasser und milch gemischt mit gewurzen angeboten, das ich beim zweiten mal danke4nd ablehnte und immer wieder ablehnen musste ... die leute waren meist freundlich, manche etwas aufdringlich und besonders die jungen etwas gar agressiv ... ich wurde zum langar zum gemeinsamen essen eingeladen wo ich zum erstenmal in pakjistan fleisch essen "musste" ... danach wurde ich zur prozession gefuehrt wo ich versuchte ein paar bilder zu schieesn und zu filmen, was sich aber als sehr schwer erwies, da mich immer wieder irgendwelche jungs am arm zupften und mich fargten woher ich komme und ob ich das schauspiel das sich vor mir abspielte genoss ... die rund 60 maenner schwitzten und schlugen sich die haende auf die brust, bis 2.30 uhr dauerte das ganze schauspiel und als ich kurz darauf in die ricksha stieg um durch die dunklen und leeren gassen der restlichen altstadt zu meinem hotel zu fahren waren immer noch tausende von menschen in "feststimmung" ... immer wieder wurde mir ersnthaft erklaert, dass man zu moharram nicht lachen und keine musik joeren darf nur trauergesaenge, doch immer wieder konnte einer meiner gespraechspartnerm, die beinahe alle ali hiessen, das lachen nicht verheben und machte spass mit mir ... ganz so ernst schien mir das ganze dann doch nicht zu sein und ich erblickt wurde stand sowieso wieder der blondschopf from switzerland im zentrum und nicht die in trance symbolisch mitleidenden selbstgeissler ...

uch sharif

10/01/2008 south punjab

rund zwei wochen nach der ermordung banzir bhuttos sind wir nun im herzland der PPP party gelandet ... die "pakistan peoples party" stellt hier in der provinz bahawalpur die mehrheit und ueberall sieht man flaggen der partei und bilder bhuttos ... viele haben hier aus zeichender trauer schwarze fahnen gehisst uebrall auf den daechern flakern sie im wind ... die menschen hier im suedlichen punjab sprechen mehrheitlich saraiki und machen rund 10 % der gesamtbevoelkerung ... der punjab, das land der fuenf gewaesser (woertlich fuenf = "punj" und "ab" gewaesser), ist die bevoelkerungsreichste provinz der vier provinzen im land ... rund 426 menschen leben hier pro km2, ewir wurden von einemjungen stundenten namens mohammed eingeladen um seine familie in seinem dorf zu besuchen ... hier auf dem land lebt die ganze familie, mehrere generationen gemeinsam in einem haus ... rund 35 menschen zaehlt die familie, bei der wir zu gast sind ... nur sein vater lebt as einziger bruder in der stadt und ist leiter der elementary school in uch sharif ... sein sohn mohammed studiert in bahawalpur und traumt davon sein land in richtung westen eines tages verlassen zu duerfen ... immer wieder beklagt er sich wie armn sein pakistan sei ... rajiv sein freund, der als lehrer arbeitet ist hingegen sehr stolz auf sein heimatland und besonders darauf muslim zu sein ... "i thank my god to be muslim" hat er immer wieder betont... wir unterhielten uns lange ueber religion und ihre ansichten zu frauenrechten, ueber ihr bild von indien und dem westen ... naja ... frauen solen sich verschleiern... imwestenist alles moeglich und indien ist der todesfeind... und der islam ist die einzig wahre religion und nur muslime kommen in den himmel ... aber auf die frage ob wir dann in die hoelle fahren kam er ins stottern und erklaerte " no no not you"... vielleicht deshalb nicht weil ich vom onkel mohammeds, dem hausaeltesten, kurz nach dem aeusserst freundlichen empfang mit karottensaft, chaii und erstaunlichem "handshake-marathon" mit beinahe allen frauen im haus, feierlich zum muslim wurde, nachdem ich ihm die die shahada, das glaubensbekentis der muslime, nachsprach ... إله إلا الله‎ محمد رسول الله‎ "la ilaha illa llah" mohammadun al rasul'ullah" - es gibt keinen gott ausser gott und mohammed ist der gesandte gottes ... naja ... es sollte uebrigens nicht das letzte mal gewesen sein, dass ich sozusagen halbwegs "zwangsbekehrt" wurde ... aber die freude des onkels war unglaublich ... wie ein kleines kind hat er gestrahlt und in die haende geklatscht ... mich umarmt und mir angeboten hier zu bleiben ... er habe da noch ein haus und auch eine junge huebsche enkelin ... ich lehnte dankend ab, da die junge dame noch ein kind war ... und naja ... ich hatte was anderes vor ... unddann kams ... die sonne ging unter der tag ging langsam dem ende entgegen ... zeit fuers gebet, namas oder salat ... und er kam ins zimmer und fragte "namas, hai ne" ... ich war voellig erschoepft vom langen weg von der stadt aufs land mit ricksha, bus, auf dem dach eines trucks und dann noch zu fuss... also nicht unbedingt in der stimmung mich 24 mal der erde entgegen zu werfen ... da hab ich ihm spasshalber erklaert, dass pilger vom gebet befreit seien ... und seine reaktion war eineriesenerloesung denn er hat nickend zugestimmt und laut geklatscht... so war ich befreit vom gebet und konnte mich erholen ...

und ist in der naehe von bahawalpur liegt die kleinstadt uch sharif, die wegen der alten sufischreine bekannt ist, die unter dem protektorat der UNESCO world cultural heritage stehen... die schreine auch darbars genannt von denmten sufis stehen hier : Syed Jalaluddin Bukhari , Baha’ al-Halim , Bibi JJahaniyan ,Jahangashtawindi ...

qoitta

9/01/2008 belutschistan



... die region belutschistan, erstreckt sich ueber die grenzregion der staaten iran, afghanistan und pakistan ... in pakistan ist sie flaechenmaessig die groesste provinz, mit jedoch der geringsten bevoelkerungszahl, gerade mal nur 7.5 mio menschen leben in diesem kargen wuestengebiet ... die grenzen belutschistans wurden im 19. jh. durch die britische kolonialmacht ohne beruecksichtigung der ethnischen gruppen und deren territorien gezogen und wurde british-india einverleibt ... so leben heute ein vielzahl ethnischer gruppen in diesem gebiet ... die belutschen, die brahui und die pashtunen (patans) machen zusammen mehr als 80% aus ...

die belutschen fordern bereits seir der unabhaengigkeit einen eigenen staat belutschistan, der zwischen dem 15.8.1947 und dem 28.3.1948 unter khan von kalat auch fuer kurze zeit bestand hatte ... in der folge wurde aber der staat in die islamische repulik pakistan einverleibt und wurde zur heutigen provinz ... seither fordern verschiedene gruppen die wiederherstellung des unabhaengigen belutschistans ... rebellen liefern sich einen guerillakrieg in den kargen wuestenbergen ... erst 2006 wurde der hohe rebellenfuehrer nawab akbar bugti (1927-2006) von pakistanischen sicherheitskraeften getoetet ...bugti widmete sein leben dem kampf für die autonomie Belutschistans und er galt als mentor der guerillaorganisation BLA 'balotshistan liberation army' ... sein tod löste unruhen in der region, die bis heute andauern ... immer wieder begegnet man hier bildern von akbar bugti oder es werden einem solche gezeigt ... oft trifft man junge leute das bild dieses mannes auf ihrem handy haben ... stolz sind sie balutschen und die meisten, die ich getroffen habe befuerworten eine unabhaengigkeit, doch viele halten diese fuer sehr unwahrscheinlich ...


neben den balutschen, die uebrigens nicht die groesste ethnische gruppe hier in belutschistan darstellen, forden auch die pashtunen ( in hindi/urdu pathans und in persisch: afghans), die seit dem krieg in afghanistan durch die grosse zahl von fluechtlingen zur groessten gruppe geworden sind, einen eigen staat, pashtunistan ... die pashtunen sind ein ostiranisches volk dessen zahl auf rund 33 mio geschaetzt wird ... die pathnanen sind in stammesgruppen, sippen und clans organisiert und sprechen pashtu, eine sprache der iranischen sprachfamilie ... das sprachlich und kulturell zusammenhängende gebiet der paschtunen, das "pakhtunkhwa" wurde 1893 durch die durand linie, als produkt der britischen kolonialpolitik, geteilt ...

hier in quoitta oder quetta ist das ethnische mosaik allgegenwaertig in den strassen und praegt das stadtbild wohin man sieht... die leute sind unglaublich freundlich, egal ob pashtunen, belutschen oder ousbeken ... alle laden einem zum tee oder zum abendessen ein ... doch alle reden schlecht ueber die anderen und warnen einen davor sich mit "den anderen" zu treffen ... das ethnische gemisch lebt hier mehr nebeneinander statt miteinander ... so mag man sich gegenseitig nicht und redet schlecht ueber " die anderen"... besonders die wenigen punjabis hier sind gar nicht beliebt ... aber auch die belutshen und pathanen moegen sich nicht unbedingt ... auch in quetta sind die pathanen in der mehrheit ...




ueberall in der stadt sind sandsackbunker der pakistanischen armee zu sehen, denn in der vergangenheit kam es immer wieder zu bewaffneten auseinandersetzungen zwischen den balutshistan-seperatisten und der armee ... doch die soldaten sind ueberaschend gelassen und laden inem ebenfalls zum tee ein oder posieren gern fuer ein foto ... abends wird man immer wieder gewarnt nicht alleine auf die strasse zu gehen da es letzte woche z auseinandersetzungen auf der strasse gekommen sein soll ... ebenfalls wurde mir berichtet, dass die separatisten jede woche in der strasse der geldwechsler und wechselstuben geschaefte ueberfallen um ihren freiheitskampf zu finanzieren ... zustaende wie im wilden westen ... man sieht viele kalashnikofs und natuerlich viel haschisch ... belutschistan ist einer der hauptachsen des internationalen drogenhandels von hier gelangt der stoff von afghanistan nach iran und weiter richtung europa ... drogenbarone und bewaffnete stammesgruppen kontrollieren den drogenhandel und schmuggel ... in den letzten monaten wurden mehrere reisende in der region belutchistan auf der iranischen seite von solchen drogenschmugglergruppen entfuehrt ... so ein japaner, der bis heute in den haenden der entfuehrer sein soll und ein belgisches paar, dass aber nach langen verhandlungen durch iranische unterhaendler durch die belgische regierung freigekauft wurde ... ein belgier berichtete mir davon, dass seine botschaft in teheran ihm kein empfehlungsschreiben (fuer ein pakistanisches visa erforderlich) gegeben hat, wegen der entfuehrung seiner landsleute ... nach angaben der belgischen botschaft hat der ganze prozess der verhandlungen rund 1 mio euro gekostet ... auf die frage ob sie loesegeld bezahlt haetten, bekam mein bekannter keine auskunft ... die entfuehrer hatten die freilassung eines bruders des anfuehrers gefordert ... entfuehrung kamen in dieser gegend immer wieder vor, geiseln wurden meistens als druckmittel fuer politische absichten eingesetzt ... doch meistens schweigen dann die botschaften ueber den ausgang der verhandlungen ...





zurueck nach qoitta ... die menschen hier sind wie gesagt ueberaus freundlich, obwohl viele andere politische und kulturell-religioese auffassungen pflegen ... nicht selten trifft man maenner die sich als talib bezeichnen und der taliban-bewegung in afghanistan zugehoerig fuehlen ... nach einem bericht der woz zufolge sind in den letzten jahren rueckzugsbasen der taliban in "den pakistanischen Städten Peschawar und Quetta entstanden, von wo aus zwei Talibanräte unbehelligt die Fäden ziehen im Kampf in Afghanistan, kanalisieren sie Gelder, die weiterhin vom Golf herfliessen, aus pakistanischen islamistischen Kreisen sowie aus dem explosiv wachsenden Drogenhandel, in den auch Mitglieder des pakistanischen Geheimdiensts ISI verwickelt sind"... zudem soll hier in quoitta mullah omar leben oder eglebt haben und von hier aus operiert haben ... nja man sieht sie die taliban hier und die balutchen raten einem sich nicht mit ihnen zu unterhalten ... aber sie tun es mit uns ... und sie erzaehlen vom groessten terroristen, den die welt je gesehen hat, mr. bush und dem cia das zusammen mit dem israelischen und indischen geheimdienst in afghanistan operiert und sogar am mord bhuttos beteiligt sein soll ... alle terrorattacken, alle suicide-moerder, alle bomben, die hier in pakistan hoch gehen sollen nach der meinung vieler hier durch das cia und co. organisiert sein ... viele verehren ihren geistigen fuehrer osama bin laden und sie zeigen einem bilder auf ihren handys ... aber freundlich sind sie und besonders freut sie natuerlich wenn man erklaert, dass man die us-aussenpolitik auch nicht unbedingt befuerwortet ... wenn man dann aber gefragt wird was man von bin laden haelt wirds schon etwas heikler ... naja ... aber egal was man antwortet man fuehlt sich respektiert und die leute bleiben anstaendig ... und natuerlich wie immer meine bescheidenen urdu kenntnisse reichen nur fuer smalltalk und wirklich englischsprechende taliban habe ich nur einen getroffen ... "osama very good" und " mr. bush biggest terrorist in the world" war auch seine message ...


gesichter aus quetta




yazd

3/1/2008 iran

der rahbar chamenei besucht yazd

...als man am abend des zweiten tages des neuen jahres 2008 nach der christlichen zeitrechnung in den strassen von yazd spazierte, wirte die stadt wie veraendert ... ueberall hingen bilder des rahbar, des hoechsten mannes der islamischen republik iran, seyyed ali chamenei ... die riesigen poster und bilder des leaders, wie er von den iranern genannt wird, und flaggen der republik waren uebrall zu sehen ... sie ziehrten die strassen und bazare der stadt, jedes geschaeft hatte meist mehrere bilder aufgehaengt und vorallem bei oeffentlichen gebauden und an den moscheen hingen riesige poster ... meist war chamenei alleine abgebildet, barmherzig laechelnd, freundlich winkend oder betend ... manchmal wurde sein antlitz durch die anwesenheit seines vorgaengers und lehrers, des fuehrers der islamischen revolution hoechst persoenlich ergaenzt ... auch ayatollah chomeini war also in yazd allgegenwaertig ... nur selten jedoch war auch der praesident ahmedinejad zusammen mit den beiden religioesen autoritaeten zu sehen ... polizei und militaer war damit beschaeftigt abschrankungen und eingangstore aufzubauen, damit am naechsten tage beim besuch des rahbar die besucher kontrolliert auf den amir chakmak platz gelangen koennen ... denn schon mehrmals soll es attentatsversuche auf den fuehrer gegeben haben ... seit einem bombenanschlag in den 80er jahren soll er seinen rechten arm nicht mehr bewegen koennen ... also wurde alles unternommen um ein weiteres attentat zu vereiteln ... obwohl die wahrscheinlichkeit eines solchen geschehens im heutigen iran hoechst unwahrscheinlich ist ... es sollte das erste mal sein, dass chamanei die kleine wuestenstadt yazd als rahbar besuchen sollte ... in den 80ern war als praesident einmal da um zu "seinem volk" zu sprechen ... seyyed chamenei, 1939 in mashad geboren, wurde 1981 von seinem ehemaligen lehrer chomeini zum staatspraesidenten ernannt, seit dem 4. juni 1989, kurz nach dem tode der revoltionsfuehrers, ist er der rahbar der hoechste mann der islamischen republik iran ... das amt des rahbars wurde ihm vom expertenrat verliehen sowie den titel des ayatollahs ... der klerus verweigerte ihm aber sich wie chomeini als grossayatollah zu bezeichnen ...





... am kommenden tag, dem dritten unseres kalenders, waren alle geschaefte in der stadt geschlossen ... der verkehr wurde aus dem stadtzentrum ausgeschlossen ... schon frueh um sechs uhr waren viele menschen in der stadt ... der himmel war grau und es war kalt ... das klare blau des gestrgen himmels war verschwunden ... helikopter kreisten tieffliegend ueber die daecher der altstadt ... der laerm der rotoren weckte ein gefuehl des ueberwachtwerdens ... die armee zeigte ihre praesenz nicht nur in den strassen sondern auch in der wuestenluft ... je aelter der morgen wurde je mehr menschen sammelten sich in den strassen und stroemten richtung amir chakmak platz wo seine geistlichkeit, der rahbar chamanei, zum volke sprechen sollte ... ueberall war er bereits vor seiner ankunft allgegenwaertig, an hauswaenden, schaufenstern und auf den unzaehligen bildern und postern die an die leute verteilt wurden oder die sie mitbrachten ... es waren besonders viele frauen, alle beinahe ausnahmslos in den tschador gehuellt, anwesend, auch viele familien mit kindern, die stolz die bilder tragen durften, manchmal verkehrt herum, bis es ihre eltern merkten ... zu tausenden kamen die menschen aus den umliegenden doerfern und staedten um ihrem fuehrer zuzuheoren ... 100'000 ende duerften es schon gewesen sein ... lokale behoerden sprachen von mehreren hundert tausend ... am eingang wurde bedingungslos kontrolliert, keine fotokameras und auch keine handys ... mehrere autobusse standen bereit in denen die besucher ihre handys abgaben und gegen einen nummernzettel wieder holen konnten ... auf den daechern waren polizisten zu sehen die kinder zurueckwiesen, die versuchten einen blick auf den platz zu erhaschen ... bereits hundert meter vor dem eingang wurden maenner und frauen getrennt, auch der platz war streng nach geschlechtern getrennt und frauen ohne tschador war es nicht erlaubt den platz zu betreten ... im vorfeld der rede wurden flugblaetter verteilt, auf denen die besucher informiert wurden, wie sie sich zu verhalten und kleiden haetten ... zivile polizisten nahe des eingangs wiesen mich freundlich darauf hin, dass es touristen nicht erlaubt ist den amir chakmak zu betreten ... meinem begleiter, einem jungen italiener ist es jedoch gelungen den fuehrer aus der naechsten naehe zu sehen ... mir als blondhaariger war es nicht vergoennt die eingangskontrollen zu passieren ... ich musste mir die rede des rahbars auf einem der grossbildschirme, die am vorabend aufgestellt wurden, anschauen ... doch ich war nicht der einzige, tausende von iranerInnen hinter mir, war es ebenfalls nicht moeglich den amir chakmak zu betreten, denn die eingangstore wurden eine stunde vor der rede des fuehrers geschlossen, da man keine menschen mehr auf den bereits vollen platz ziehen lassen wollte ... unzaehlige hatten also nicht einmal sicht auf die grossleinwand, auf welchem bis zur ankunft des redners bilder aus der zeit der revoltion gezeigt wurden, reden von chomeini und szenen aus dem krieg gegen irak im jahre 1980 ... nach mehreren stunden wartezeit und langen instruktionen ueber lautsprecher, ging ploetzlich ein raunen durch die mengen und dann wurde es still ... der rahbar betrat das rednerpult: "allah u rahman rahim", der eroeffnungsvers des heiligen korans, waren seine ersten worte ... er sprach rund eine halbe stunde zu den menschen ... was der hoechste mann der republik genau sagte blieb fuer mich leider ein raetsel, da ich keinen guten uebersetzer finden konnte und die leute um mich herum mir nur floskeln uebersetzten ... nach der rede erklaerten mir studenten, dass ayatollah chamanei unter anderem auch gegen den teufel USA und natuerlich wie ueblich auch gegen israel gewettert haben soll ... das wort terrorist, mit dem hoechstwahrscheinlich mr. bush gemeint war, war eines der wenigen woerter, das ich mehrmals zu hoeren glaubte ... auch das wurde mir von den studenten bestaetigt ... nach der rede war es uns touristen dann erlaubt den amir chakmak zu betreten ... der platz leerte sich schnell und sah aus wie nach einem popkonzert ... ueberall lag abfall und verpackungen der biscuits die gratis verteilt wurden ... gleich danach wurde auch mit den aufraumarbeiten begonnen ... und dann standen wir touristen ploetzlich wieder im mittelpunkt ... gerne posierten junge maenner mit bildern chameneis vor meiner linse ... die leute waren wie immer freundlich und selbst wenn wir amerikaner gewesen waeren, haette man uns trotzdem die hand geschuettelt und "welcome to yazd" zu hoeren bekommen ... wie ernst die leute hier den ganzen event nahmen, bleibt fraglich ... was klar zu sein scheint, die inszinierung der macht und beliebtheit des rahbars und antiamerikanisch- und proislamischen propaganda scheint geglueckt zu sein ... ayatollah chamenei, der rahbar, der leader und maechtigste mann in der republik, scheint sich trotz aller kritik der mehrheit meiner gespraechspartner hier im iran, bei vielen grosser beliebtheit zu erfreuen ... dies zeigten auch die fernsehbilder des naechsten tages, als sie seinen besuch am abend an der universitaet von yazd zeigten, wo wiederum tausende von menschen ihrem fuehrer zu rufen und seine antiamerikanische rethorik gegen den teufel USA unterstuetzten ... einige hier behaupten zwar, dass das ganze eine grosse inszenierung sei, alles organisiert bis ins kleinste detail ... all die jubelnden menschen seien bezahlt worden um zu jubeln und schreien ... heisst es immer wieder von denen menschen in yazd, die den besuch des rahbars nicht begruessten und nicht besuchten ... zudem erklaeren dieselben, dass alle die dem rahbar jetzt zujubeln sich schon bald wieder ueber ihn beklagen werden, wenn er ihre stadt wieder verlassen hat ...



der iran und seine menschen, seine politik und wie die menschen darueber denken, schimpfen und applaudieren, ist und bleibt fuer mich ein schwer zu durchschauendes geheimnis, grau wie der himmel am dritten tage des neuen jahres ueber der wuestenstadt yazd im herzen der islamischen republik iran ...





yazd

happy new year 2008


peunktlich zum neuen jahr bin ich heimgekehrt in meine lieblingsstadt yazd ... ins silk road hotel ... um dort mit einer handvoll travellers das neue jahr zu feiern, wie es sich im iran so gehoert natuerlich ohne alkohol ... zwei italiener bereiteten ne koestliche lasagne fuer uns zu ... wow... war ganz lustig...



... letzte bilder aus dem alten jahr in yazd...































































esfahan

28/12/2007 iran

esfahan liegt in zentraliran und zaehlt mit rund 2 mio einwohnern zu den groessten staedten des landes... "Esfahan – nesf-e jahan – Isfahan"... sagt ein persisches sprichwort, was soviel bedeutet wie, esfahan ist die haelfte der welt... im ganzen land sind sie stolz auf diese stadt, die perser... immer und wohin man auch kommt wird man gefragt... "you see esfahan"... denn "esfahan is very gooood... cheyli chuuub" ... wird einem immer wieder erklaert ... esfahan ist zudem der hauptschauplatz des beruehmten romans von noah gordon der medicus ... das heutige stadtbild ist immernoch gepraegt von prachtvollen bauten, grossartigen palaesten, einer vielzahl von minaretten und ruhigen gaerten...





beruehmt wurde die stadt durch die prachtvollen bauten aus der safawidenzeit... 1598 wurde sie zur hauptstadt des reiches, dies war auch der beginn ihrer bluetezeit... viele der damaligen bauwerke werden heute zu den unesco-weltkulturerbe gezaehlt ... zu den beruehmtesten sehenswuerdigkeiten zaehlen neben dem grossenplatz meydan-e emam, der seit der revolution imam square heisst, frueher hiess er koenigsplatz ... im ganzen land wurden infolge der errichtung der islamischen republik viele plaetze und strassen umbenannt ... so finden sich heute in allen staedten mindestens einen imam square und imam streets ... in anlehnung an imam chomeini natuerlich manchmal auch zu ehren imam husseins ... daneben beherbergt die stadt wunderschoene moscheen, wie die mesjed-e emam lotfollah, der mesjed-e emam oder der grossen freitagsmosche, mesjed-e jame (siehe bild unten)...





im anschluss an den grossen imam square ist einer der groessten und laengsten bazars ganz irans ... esfahan gehoerte zu den grossen staedten der suedlichen route der seidenstrasse ... und wie ueberall im land sind besonders seine teppiche beruehmt ... auch hier trifft man immer wieder junge studentinnen und studenten, die ihre englischkenntnisse unter beweis stellen oder verbessern wollen und einem ansprechen oder zu einem tee einladen ... so auch mohammed und reza, beide 19 jahre alt und studenten an der universitaet ... war sehr interessant, da sie zum erstenmal andere ansichten vertraten als die meisten anderen meiner bisherigen gespraechsparter ... so waren beide sehr religioes und vertraten die ansicht, dass frauen das kopftuch zu tragen haetten, und dass sie nie eine frau ohne kopftuch heiraten wuerden ... auf die frage warum eine frau denn ein kopftuch oder gar ein tschador tragen muesse, wussten beide zunaechst keine antwort ausser: "god told us that..." ... naja ... den koran lesen sie zwar nur selten beide verehren jedoch chomeini und sind mit ihrem leader chamenei hoechst zufrieden ... es gibt sie also doch die treuen buerger ... wahrscheinlich mehr als man als reisender hier zu spuehren bekommt, denn mit wie vielen der 70 mio einwohnern irans kommt nicht ins gespraech ... wie viele von ihnen unterstuetzen die regierung ... teilen die religioes-konservativen ansichten des klerus und ihres leader chamenei usw ...

zur ausbau der stadt in der zeit der safawiden wurde unzaehlige handwerker und kuenstler aus dem ganzen land in esfahan angesiedelt ... viele von ihnen stammten aus der stadt jolfa (im heutigen nordwesten irans nahe azerbaidschans) und waren armenische christen (armenische kirche siehe bild) ... noch heute leben einige tausend christen im gleichnamigen quartier jolfa ... christen werden im iran, gleich wie uebrigens auch die yezudi - die juden - als "besitzer des buches" toleriert ... die armenischen christen, die ich jedoch in esfahan getroffen habe, beklagten sich jedoch ueber ihre soziale und oekonomische stellung innerhalb der iranisch-muslimischen gesellschaft ... eine alte frau klagte, dass es sei schwierig fuer ihre soehne sei eine arbeit zu finden, da sie christen seien, und dass sie und ihre familie grosse muehe haetten ihr haus zu behalten, da spekulanten versuchen ihr haus zu kaufen, um es dann umzubauen ... denn die bodenpreise im armenischen quartier sind in den letzten jahr stak gestiegen und sehr beliebt geworden ...

esfahan

dezember 2007

impressionen von einem freitag im iran

es ist freitag der ruhetag im iran... die meisten geschaefte sind geschlossen ... ich bin in esfahan, an der bruecke namens si-o-se pol, zu deutsch die "33 bogenbruecke", die ueber den fluss zayanderud fuehrt...
sie wurde in der zeit der safawiden erbaut und gilt als eines der meisterwerke dieser epoche... durch den shah abbas I. 1602 in auftrag gegeben, besteht sie
wie der name bereits sagt, aus 33 boegen und misst 295m...

















an den freien freitagen und an feiertagen uebrqueren hunderte von spazierenden familien, paerchen und touristen die bruecke... einige geniessen einen tee im unter dem brueckendach gelegenen teehaus oder picknicken am ufer des zayanderud flusses unweit der bruecke... seit einigen monaten die perser flanieren gern, ueber die bruecke oder entlang des flusses... haendchen haltend sieht man junge verliebte paerchen oder jungs... ganze familien treffen sich hier vor oder nach dem gemeinsamen essen im restaurant oder picknick... es wird viel fotografiert ... stolz und ausgelassen lassen sich die leute mit handys oder digitalkameras aufnhemen... nicht selten wird gefilmt, besonders als tourist ist man immer ein willkommenes objekt... und staendig wird man, wie jeden tag im iran, die gleichen fragen gefragt: "your country?" oder "why you come iran?" oder "iran gooood?"... naja ... man antwortet was man so oft gesagt hat... aber die leute sind wie immer sehr freundlich und scheinen zufrieden den freien tag und die abendstimmung am wasser zu geniessen...